Mobilitätssalon 2026 - Mobilität beginnt bei der Infrastruktur

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Was Stadt, Unternehmen und Forschung bereits heute auf den Weg bringen

Der Mobilitätssalon bei den Stadtbetrieben Steyr brachte Vertreter:innen aus Stadt, Wirtschaft, Forschung und Mobilitätspraxis zusammen. Eingeladen hatten die Stadt Steyr, die Stadtbetriebe Steyr GmbH, das Mobilitätslabor 2.0 der FH OÖ Campus Steyr, der ÖAMTC Oberösterreich und das Netzwerk Zukunftsregion Steyr.

Wer über Mobilität spricht, denkt oft zuerst an Fahrzeuge. Dabei beginnt Mobilität lange bevor Menschen oder Güter unterwegs sind. Energieversorgung, Ladeinfrastruktur, Forschung, digitale Angebote und betriebliche Lösungen schaffen jene Voraussetzungen, auf denen Mobilität aufbaut.

Durch den Abend führten Daniela Zeiner, Geschäftsführerin des Netzwerks Zukunftsregion Steyr und der Stadt.Impuls Unternehmensgruppe, sowie Melanie Juppe vom Mobilitätslabor 2.0 der FH OÖ Campus Steyr. „Mobilität betrifft Unternehmen, Gemeinden, Bildungseinrichtungen und viele Menschen im Alltag. Umso wertvoller sind Formate, die unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen und sichtbar machen, was in der Praxis bereits entsteht. Genau dieser Austausch schafft die Grundlage für neue Ideen und gemeinsame Projekte“, sagt Daniela Zeiner.

Mobilitätswende wird sichtbar

Bürgermeister Markus Vogl verwies auf Entwicklungen, die in Steyr bereits konkret erlebbar geworden sind: „Die Mobilitätswende findet bereits statt – und Steyr gestaltet diesen Wandel aktiv mit. Mit mittlerweile 13 Elektro-Bussen im Linienbetrieb ist Elektromobilität längst Teil des Alltags geworden. Gerade im Innenstadtbereich wird der Unterschied unmittelbar spürbar: Die deutlich geringere Geräuschentwicklung erhöht die Lebensqualität und zeigt, welchen Beitrag moderne Mobilitätslösungen für eine lebenswerte Stadt leisten können.“ 

Von ersten Versuchen zur leistungsstarken Infrastruktur
Wie schnell sich Elektromobilität vom Pilotprojekt zum Regelbetrieb entwickeln kann, zeigte Markus Rechling-Greimel, Geschäftsführer der Stadtbetriebe Steyr GmbH.
Was vor wenigen Jahren mit ersten Elektrofahrzeugen begann, entwickelte sich zu einer umfassenden Infrastruktur für den öffentlichen Verkehr. Heute betreiben die Stadtbetriebe 13 Elektrobusse und insgesamt 37 Ladepunkte. Die Anlage verfügt aktuell über eine Leistung von 1,3 Megawatt und wurde bereits für weitere Ausbauschritte vorbereitet. Rund 210.000 Kilometer haben die Elektrobusse bisher zurückgelegt. Dabei wurden rund 250.000 Kilowattstunden Energie eingesetzt.

Besonders bemerkenswert: Trotz der hohen Anforderungen im täglichen Linienbetrieb erwies sich die Technik bisher als zuverlässig. Die Stadtbetriebe berichten von guten Erfahrungen bei Reichweite, Ladeverhalten und Verfügbarkeit der Fahrzeuge. Gleichzeitig zeigen sich bereits wirtschaftliche Vorteile. Nach aktuellen Berechnungen liegen die Treibstoffkosten der Elektrobusse rund 20 Prozent unter jenen vergleichbarer Dieselbusse.
„Unsere Erfahrungen mit der Elektromobilität waren erstaunlich unaufgeregt. Die Fahrzeuge und die Ladeinfrastruktur funktionieren zuverlässig im täglichen Betrieb. Gleichzeitig sehen wir bereits heute wirtschaftliche Vorteile gegenüber konventionellen Antrieben“, erklärt Markus Rechling-Greimel.

Bei einer Führung durch die Ladeanlage erhielten die Teilnehmer:innen Einblicke in die technische Infrastruktur hinter dem öffentlichen Verkehr. Allein in der Fahrzeughalle stehen 24 Ladepunkte für Busse zur Verfügung. Die Anlage wurde so ausgelegt, dass künftig weitere Fahrzeuge und zusätzliche Anwendungen integriert werden können. Die Ladeinfrastruktur arbeitet zudem mit einem dynamischen Lastmanagement und berücksichtigt auch die Nutzung von Photovoltaik-Strom.

Was Zahlen und Erfahrungen erzählen

Während über Elektromobilität oft kontrovers diskutiert wird, brachte Georg Kasper vom ÖAMTC Oberösterreich die Perspektive aktueller Zahlen und Erfahrungen ein.
Seit 2023 werden in Österreich mehr reine Elektroautos als Diesel-Pkw neu zugelassen. Gleichzeitig liegt ihr Anteil am gesamten Fahrzeugbestand noch bei knapp fünf Prozent. Die Entwicklung gewinnt also an Dynamik, verändert den Fahrzeugbestand aber nur schrittweise. Besonders aufschlussreich fiel der Blick auf die Pannenstatistik aus. Aktuelle Auswertungen zeigen, dass Elektrofahrzeuge seltener von Pannen betroffen sind als vergleichbare Verbrennerfahrzeuge. Die häufigste Ursache ist bei beiden Antriebsformen dieselbe: die klassische 12-Volt-Batterie.Auch die oft diskutierte Lebensdauer von Akkus entwickelt sich anders als vielfach angenommen. Moderne Batteriesysteme sind auf mehrere tausend Ladezyklen ausgelegt und erreichen Laufleistungen, die weit über die Lebensdauer vieler Fahrzeuge hinausgehen können. „Viele Themen rund um Reichweite oder Haltbarkeit werden deutlich problematischer wahrgenommen, als sie sich in der Praxis zeigen. Unsere Erfahrungen und Daten zeigen, dass Elektromobilität heute sehr zuverlässig funktioniert“, sagt Georg Kasper. Darüber hinaus gab er einen Ausblick auf das bidirektionale Laden, bei dem Fahrzeuge künftig nicht nur Strom aufnehmen, sondern bei Bedarf auch wieder zur Verfügung stellen können.

Wenn Schwerverkehr elektrisch wird

Dass Elektromobilität mittlerweile auch im Schwerverkehr angekommen ist, zeigte Lukas Adali von Schachinger Logistik.
Während Elektromobilität im Pkw-Bereich mittlerweile vertraut erscheint, stellt die Elektrifizierung des Schwerverkehrs viele Unternehmen vor neue Fragen. Schachinger Logistik hat diesen Weg bereits eingeschlagen: 25 Elektro-Lkw sind aktuell im Einsatz, weitere Fahrzeuge folgen. Elektrische Transporte werden dabei bereits auf Strecken von mehr als 500 Kilometern durchgeführt – ein Bereich, der lange Zeit als besondere Herausforderung für die Elektromobilität galt.

Parallel dazu investiert das Unternehmen in Photovoltaik, Ladeinfrastruktur und Energiespeicher. In Hörsching entsteht derzeit ein Batteriespeicher mit einer Kapazität von 60 Megawattstunden. Nach Angaben des Unternehmens handelt es sich dabei um den größten Batteriespeicher Österreichs sowie um den größten Energiespeicher eines Logistikunternehmens in Europa. Rechnerisch könnte damit der Strombedarf von rund 30.000 Haushalten für eine Stunde gedeckt werden. „Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur, Energiemanagement und Stromversorgung müssen zusammengedacht werden. Genau dort entstehen die Lösungen“, so Lukas Adali.
Damit machte sein Vortrag deutlich, dass Elektromobilität im Schwerverkehr längst keine Zukunftsvision mehr ist, sondern in vielen Bereichen bereits Teil des betrieblichen Alltags wird.

Mobilität neu verknüpfen

Neben Infrastruktur und Fahrzeugen standen auch neue Mobilitätsangebote im Fokus. Andrea Reindl und Melanie Juppe vom Mobilitätslabor 2.0 der FH OÖ Campus Steyr gaben Einblicke in Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die unterschiedliche Mobilitätsformen besser miteinander verbinden sollen.
Vorgestellt wurde unter anderem das Projekt MaaS-Strategie des Landes OÖ – AP 2 Pilotstandorte in OÖ - Steyr, dass die Orientierung an ausgewählten Mobilitätsknoten in Steyr verbessern soll, weiters werden die Mobilitätsknoten durch neue Mobilitätsangebote wie bikesharing ergänzt. Im Leitprojekt ROBERTA werden autonome Busse unter realen Bedingungen getestet. Ein weiteres Beispiel ist die Mitfahrplattform DOMINO. Sie zählt mittlerweile österreichweit rund 3.500 Nutzer:innen und unterstützt Fahrgemeinschaften für Unternehmen, Bildungseinrichtungen und Privatpersonen.
„Viele Lösungen für die Mobilität von morgen werden bereits heute entwickelt und erprobt. Entscheidend ist, dass Forschung, Unternehmen und öffentliche Einrichtungen ihre Erfahrungen teilen und voneinander lernen. So entstehen Angebote, die im Alltag tatsächlich funktionieren“, sagt Melanie Juppe.

Viele Bausteine, ein gemeinsames Bild

Mobilität entsteht heute an vielen Orten gleichzeitig: in Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Gemeinden und öffentlichen Betrieben. Der Mobilitätssalon brachte diese Perspektiven zusammen und zeigte, wie viele Ideen bereits im Alltag angekommen sind.
Beim anschließenden Austausch nutzten die Gäste die Gelegenheit, Erfahrungen zu teilen, Fragen zu diskutieren und neue Kontakte zu knüpfen.

Der vollständige Bericht zur Veranstaltung, eine Fotogalerie sowie Informationen zum Netzwerk Zukunftsregion Steyr und zu den Möglichkeiten einer Partnerschaft finden sich unter www.zukunftsregion-steyr.at.

Fotos frei, Credit © Kainrath
 
 

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