HR-Talk der Zukunftsregion Steyr: Warum gute Führung heute mehr denn je den Unterschied macht

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HR-Talk der Zukunftsregion Steyr: Warum gute Führung heute mehr denn je den Unterschied macht

Beim vierten HR-Talk des Netzwerks Zukunftsregion Steyr, der gemeinsam mit der Raiffeisenbank Steyr und der FH OÖ Steyr im Digispace der FH OÖ umgesetzt wurde, diskutierten Führungskräfte, HR-Verantwortliche, Studierende und Expert:innen über die Arbeitswelt von morgen. Im Mittelpunkt standen neue Führungskulturen, der Umgang mit KI, hybride Arbeitsformen und die Frage, wie junge Talente langfristig an Unternehmen gebunden werden können. Deutlich wurde dabei, wie stark Themen wie Führung, Fachkräfteentwicklung und Nachwuchsgewinnung Unternehmen beschäftigen – und wie sehr sich Human Resources vom Verwaltungsbereich zum strategischen Zukunftsfaktor entwickelt.

Der HR-Talk bildet seit 2023 eine Plattform zum Austausch für Personalverantwortliche in der Region. Bei der vierten Ausgabe der Veranstaltung drehte sich alles um jene Fragen, die Unternehmen aktuell intensiv beschäftigen: Wie verändert künstliche Intelligenz die Arbeitswelt? Welche Erwartungen haben junge Mitarbeiter:innen? Warum scheitern viele Transformationsprozesse? Und wie gelingt Führung in Zeiten permanenter Veränderung?

Bereits in der Begrüßung wurde deutlich, wie eng die Themen Personal, Bildung und Regionalentwicklung zusammenhängen. Christoph Grumböck, Sprecher der Zukunftsregion Steyr, betonte die zentrale Rolle von Fachkräften, Bildung und Zusammenarbeit für die Zukunftsfähigkeit der Region: „Arbeitskräfte und Human Resources sind das Potenzial unserer Unternehmen. Technologie kann vieles unterstützen – aber Menschen bleiben entscheidend.“

Bürgermeister Markus Vogl verwies auf das positive Image Steyrs als Wirtschafts- und Lebensstandort. Eine Fachkräftestudie habe gezeigt, dass die Stadt und ihre Unternehmen von Fachkräften sehr positiv bewertet werden. Gleichzeitig unterstrich er die Bedeutung gemeinsamer regionaler Initiativen: „Wenn wir unsere Kräfte bündeln, können wir in der Region gemeinsam viel bewegen.“ Besonders stolz zeigte sich Vogl auch über die Entwicklung des FH-Standorts Steyr: Die Fakultät für Wirtschaft und Management der FH OÖ wurde bereits zum dritten Mal in Folge zur besten Management-Fachhochschule Österreichs gewählt. Für Vogl unterstreicht diese Auszeichnung die hohe Qualität und Bedeutung des Bildungs- und Wirtschaftsstandorts Steyr.

Auch Andreas Auinger, Dekan der Fakultät für Wirtschaft und Management der FH OÖ Campus Steyr, griff diese Auszeichnung auf. Im aktuellen CHE-Ranking erreichte die Fakultät Spitzenwerte bei Studiensituation, Praxisbezug und Forschung. Die sechs wirtschaftlichen Bachelorstudiengänge wurden von Studierenden mit durchschnittlich 4,46 von 5 Sternen bewertet, die Abschlussquote liegt bei beeindruckenden 99,4 Prozent. Besonders stark sei laut Auinger auch die Forschung: Durchschnittlich 124.672 Euro Drittmittel pro Professor:in sowie 17 kooperative Promotionen unterstreichen die starke Position des Standorts im Forschungsbereich. „Steyr kann sich mit seinem ausgezeichneten, breiten Ausbildungsangebot als Future Skills Hub positionieren“, betonte Auinger.

Zudem verwies der Dekan auf die großen Veränderungen am Arbeitsmarkt. Sinkende Geburtenraten und die rasch voranschreitende Automatisierung würden Unternehmen und Bildungseinrichtungen gleichermaßen vor neue Herausforderungen stellen. Als Beispiel zitierte Auinger einen Artikel eines aktuellen Tests mit humanoiden Robotern, bei dem ein Roboter ein Sortierband 36 Stunden fehlerfrei bedienen konnte – ursprünglich sei der Test auf acht Stunden ausgelegt gewesen.

„Christian Waldl, Vorstand Marktfolge der Raiffeisenbank Steyr, verwies auf die wachsende Bedeutung von „People & Culture“, Führungskultur und strategischer Personalentwicklung. Besonders wichtig sei dabei, junge Potenzialträger:innen frühzeitig zu erkennen und diese gezielt zu fördern.“

Transformation braucht neue Führung

Einen zentralen Impuls setzte Silke Preymann, Studiengangsleiterin des Masterstudiums Human Resource Management an der FH OÖ Campus Steyr. Sie zeichnete das Bild einer Arbeitswelt, in der Wandel zum Dauerzustand geworden ist. Laut aktuellen Studien erleben bereits 59 Prozent der Unternehmen mehrere weitreichende Transformationen gleichzeitig. Zugleich scheitern sieben von zehn Veränderungsprozessen – häufig nicht an der Strategie, sondern an fehlenden Kompetenzen und Widerständen.

Preymann zeigte auf, dass klassische Führungsmodelle zunehmend an ihre Grenzen stoßen. Statt Kontrolle und starrer Planung brauche es heute Orientierung, Vertrauen und psychologische Sicherheit. „Führung wird zur Beziehungsarbeit“, so Preymann. Besonders eindrücklich waren dabei die Zahlen, die sie präsentierte: Nur elf Prozent der Führungskräfte verknüpfen Leistung aktiv mit Entwicklungsmöglichkeiten. Gleichzeitig geben 84 Prozent der Beschäftigten an, durch ein starkes Zugehörigkeitsgefühl produktiver zu sein.

Auch das Thema künstliche Intelligenz spielte eine zentrale Rolle. Laut Preymann gelten bis 2030 bereits 39 Prozent aller Skill-Sets als veraltet oder grundlegend verändert. KI könne viele administrative Routinen übernehmen, entscheidend bleibe jedoch der Mensch: „KI darf unterstützen – aber nicht das Denken ersetzen.“

Wie stark sich die Anforderungen an HR verändern, zeigten auch die beiden präsentierten Masterarbeiten. Kathrin Weber beschäftigte sich mit Return-to-Office-Regelungen und untersuchte, welche Faktoren deren Akzeptanz beeinflussen. Ihr zentrales Ergebnis: Nicht Kontrolle, sondern Autonomie entscheidet darüber, ob Mitarbeiter:innen Regelungen akzeptieren. „Die Menschen wollen mitgestalten können. Vertrauen ist der entscheidende Faktor“, erklärte Weber.

Manuela Eichinger untersuchte die Weiterentwicklung von HR-Strukturen bei ENGEL Austria. Dafür führte sie 14 qualitative Interviews quer durch alle Hierarchieebenen. Ihr Fazit: HR-Abteilungen werden zwar noch häufig operativ wahrgenommen, gleichzeitig wünschen sich Unternehmen und Mitarbeitende zunehmend strategische Partner auf Augenhöhe. Besonders auffällig sei gewesen, dass viele Befragte den Begriff „People & Culture“ als zeitgemäßer empfanden als die klassische Bezeichnung HR-Abteilung. „Der Mensch muss wieder stärker in den Mittelpunkt rücken“, so Eichinger.

Warum junge Talente besondere Führung brauchen

Mit ihrem Vortrag zu „Early Career Leadership“ griff Patricia Pfarrhofer ein Thema auf, das bei vielen Teilnehmer:innen für intensive Diskussionen sorgte. Die Expertin für Führung junger Talente sprach offen über die Herausforderungen im Umgang mit jungen Mitarbeiter:innen – aber auch über die Chancen.

Pfarrhofer machte deutlich, dass sich die Lebensrealitäten junger Menschen massiv verändert haben: Digitalisierung, psychische Belastungen, unendliche Möglichkeiten und ein veränderter Arbeitsmarkt prägen die neue Generation. Gleichzeitig habe sich das Führungsverständnis vieler Unternehmen kaum verändert.

Besonders eindrucksvoll waren die Zahlen zum Fachkräftemangel: Laut Fachkräftemonitor werden allein in Oberösterreich bis 2030 rund 83.500 Fachkräfte fehlen, bis 2040 sogar 151.000. Frühfluktuation werde damit zu einem massiven wirtschaftlichen Risiko. Jeder frühe Abgang verursache nicht nur hohe Kosten für Recruiting und Einschulung, sondern belaste auch bestehende Teams und Führungskräfte.

Pfarrhofer plädierte deshalb für ein professionelleres „Early Career Leadership“. Junge Menschen bräuchten Orientierung, Zugehörigkeit und klare Erwartungen. „Recruiting bringt junge Menschen ins Unternehmen – Führung entscheidet, ob sie bleiben“, brachte sie es auf den Punkt.

Austausch in Breakout-Gruppen

Im Anschluss diskutierten die Teilnehmer:innen in drei Breakout-Gruppen intensiv weiter. Dabei standen Führungskultur, hybride Arbeitsmodelle und die Erwartungen junger Generationen im Mittelpunkt.

In der Gruppe „Die Zukunft hybrider Arbeit“ wurde deutlich, dass Homeoffice-Fragen oft Ausdruck tieferliegender Kulturthemen sind. „Wenn jemand nicht ins Büro kommen möchte, sollte man sich zuerst fragen, warum“, fasste Kathrin Weber die Diskussion zusammen.

In der Gruppe „Führung & Kultur im Wandel“ wurde unter anderem über Fairness, lebensphasenorientiertes Arbeiten und Diversity gesprochen. Ein Begriff blieb dabei besonders hängen: „Menschenwirksamkeit“.

Auch die Diskussion rund um junge Talente zeigte, wie emotional das Thema mittlerweile geworden ist. Gleichzeitig herrschte große Einigkeit darüber, dass die Zusammenarbeit zwischen Generationen aktiv gestaltet werden muss.

Neue Formate gegen den Fachkräftemangel

Zum Abschluss präsentierte Tobias Kammerhofer gemeinsam mit der Zukunftsregion Steyr das neue Format „Jobracing“. Dabei soll Lehrlingssuche mit E-Sport kombiniert werden. Unternehmen können Teamslots buchen und mit Jugendlichen in spielerischer Atmosphäre in Kontakt kommen. Ziel ist es, neue Wege im Recruiting zu gehen und junge Talente dort abzuholen, wo ihre Interessen liegen.

Darüber hinaus verwies das Netzwerk Zukunftsregion Steyr auch auf die Bewerbungsinitiative „Jobmatch“, die am 17. November 2026 im City Point Steyr stattfindet. Gemeinsam mit AMS Steyr, BFI OÖ, City Point Steyr, IAB und Raiffeisenbank Steyr werden dort Unternehmen mit Arbeitssuchenden und Interessierten aus der Region vernetzt. Ziel ist es, Angebot und Nachfrage am regionalen Arbeitsmarkt direkt zusammenzubringen und persönliche Gespräche zwischen Unternehmen und potenziellen Mitarbeiter:innen zu ermöglichen.

Der HR-Talk zeigte einmal mehr, wie eng Wirtschaft, Bildung und regionale Initiativen in der Region Steyr bei Zukunftsthemen zusammenarbeiten. Das Netzwerk Zukunftsregion Steyr zählt mittlerweile mehr als 170 Partner:innen aus Wirtschaft, Bildung, Forschung und Gesellschaft und versteht sich als Plattform für Austausch, Ideen und gemeinsame Projekte rund um die Zukunft der Region.

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