Gründer:innenfrühstück in Steyr: Ehrliche Einblicke und starke Geschichten aus der Praxis im Doppelpack

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Vernetzen, voneinander lernen und hören, wie es in der Realität ist – genau darum ging es beim Gründer- und Jungunternehmer:innenfrühstück von Zukunftsregion Steyr und Wirtschaftskammer Steyr. Bereits zum sechsten Mal bot das Format Raum für Austausch und Inspiration und zeigte einmal mehr, dass Gründung in jeder Lebensphase möglich ist. Jeweils 2 Unternehmer:innen von 3 spannenden Firmen waren zu Gast und gaben in ihren Vorträgen wertvolle Erfahrungen aus der Praxis weiter und machten deutlich, wie vielfältig die Wege in die Selbstständigkeit sein können.

Zahlreiche Gründer:innen, Jungunternehmer:innen und Interessierte folgten der Einladung zum gemeinsamen Frühstücksformat in die Wirtschaftskammer Steyr. Ziel der Veranstaltung war es, Vernetzung zu ermöglichen, praxisnahe Impulse zu geben und den offenen Austausch zu fördern – ganz im Sinne einer starken unternehmerischen Region.

Regionale Stärke im Fokus
Den Auftakt machten Daniela Zeiner, Leiterin der Zukunftsregion Steyr, und Cornelia Schwabl von der Wirtschaftskammer Steyr. Zeiner betonte die Rolle des Netzwerks als Plattform, die Menschen, Unternehmen und Ideen zusammenbringt und regionale Stärken sichtbar macht. Cornelia Schwabl verwies auf die Dynamik der Region und die Bedeutung von Unterstützung in der Gründungsphase: „Allein im Jahr 2025 wurden 351 Gründer:innen in persönlichen Beratungen in der WKO Steyr begleitet. Gleichzeitig verzeichnen wir 281 Neugründungen im Bezirk Steyr-Land und 155 in der Stadt Steyr – das zeigt, wie innovativ unsere Region ist und wie wichtig es ist, diese Entwicklung weiter zu unterstützen.“

ARCHIONIC: Vom spontanen Start zur etablierten Struktur
Im Anschluss gaben Unternehmer:innen – jeweils im Doppelpack - persönliche Einblicke in ihre Wege in die Selbstständigkeit. Dietmar Seyrlehner und Markus Knöbl von ARCHIONIC ZT GmbH erzählten ihre Geschichte, die aus einer spontanen Entscheidung heraus entstand. Kurz nach Weihnachten 2004 kündigten sie ihre Jobs und starteten mit ihrem ersten Projekt. Der Einstieg verlief jedoch nicht geradlinig: In einer frühen Phase kooperierten sie mit einem Linzer Architekturbüro, bevor sie den Schritt in die vollständige Selbstständigkeit setzten. Gestartet wurde unter einfachen Bedingungen, gleichzeitig legten sie von Beginn an Wert auf Strukturen und eine gute technische Ausstattung. Erste Aufträge kamen vor allem über persönliche Netzwerke aus Familie, Freundeskreis und Kontakten. Heute blickt das Unternehmen auf mehr als 21 Jahre Erfahrung und rund 400 Projekte zurück. Gleichzeitig betonten sie, wie wichtig es ist, sich gerade in der Gründungsphase Unterstützung durch Expert:innen wie Steuerberater oder Notare zu holen, um unternehmerische Entscheidungen nicht allein treffen zu müssen und sich auf das tatsächliche Kerngeschäft fokussieren zu können.
Wolfschütz KG: Generationen verbinden und Digitalisierung greifbar machen
Julia und Barbara Wolfschütz von der Wolfschütz KG zeigten, wie auch aus dem Familienverband aus einer gemeinsamen Idee ein Unternehmen entstehen kann. Ausgangspunkt war die Erkenntnis, dass viele kleine und mittlere Unternehmen Nachholbedarf bei der Digitalisierung von HR- und Finanzprozessen haben. Als Mutter-Tochter-Team gaben sie offene Einblicke in ihre Zusammenarbeit und machten deutlich, wie wichtig klare Rollenverteilungen, gegenseitiges Vertrauen und externe Unterstützung – etwa durch Coaching – für eine funktionierende Partnerschaft sind. Gleichzeitig wurde sichtbar, dass sie die unterschiedlichen Perspektiven der Generationen bewusst als Stärke nutzen – sowohl in der Zusammenarbeit untereinander als auch im Kontakt mit Kund:innen. Ein besonderes Anliegen ist es ihnen zudem, Digitalisierung auch für kleinere Unternehmen mit begrenzten Mitteln zugänglich zu machen und dafür praxistaugliche, manchmal auch bewusst einfache Lösungen anzubieten. Selbstständigkeit, so ihr Fazit, ist mit Unsicherheiten verbunden, eröffnet aber große Chancen zur persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung.

HB Events & Trading: Events, Community und Markenaufbau als Erfolgsfaktor
Einen besonders dynamischen Zugang präsentierten Ingo Mitterhuemer und Fabian Mayr von HB Events & Trading GmbH. Ihre unternehmerische Reise begann mit ersten Veranstaltungen im privaten Umfeld und entwickelte sich über viele Jahre hinweg vom Freizeitprojekt hin zu einem professionellen Unternehmen. Eine zentrale Rolle spielten dabei von Anfang an ein engagiertes Team und eine starke Community, die aktiv zum Aufbau beigetragen haben. Schritt für Schritt entstanden daraus eigene Eventformate und Marken wie „Sundowner“, „Afterwork am Taborturm“, „Trachtigall“ oder „Event Roulette“, die heute fixer Bestandteil der regionalen Veranstaltungsszene sind. Ergänzt wird das Portfolio unter anderem durch Formate wie die Popup-Bar „Stadtblick“, aber nun auch ein eigenes Gastronomielokal, das „Domizil“, sowie weitere Marken innerhalb der Unternehmensgruppe. In der Weiterentwicklung des Unternehmens spielt auch die Zusammenarbeit mit externen Partnern eine wichtige Rolle, wodurch zusätzliche Kompetenzen eingebunden werden konnten. Gleichzeitig wurde deutlich, dass viele Herausforderungen – etwa in den Bereichen Organisation, Struktur oder wirtschaftliche Planung – oft erst im laufenden Betrieb entstehen und Schritt für Schritt gelöst werden müssen. Ein wesentlicher Entwicklungsschritt war zudem die gezielte Professionalisierung, etwa im Bereich Social Media, die insbesondere in der Zeit der Corona-Pandemie vorangetrieben wurde.

Praxisnahe Tipps vom Gründerexperten
Abgerundet wurde das Programm durch den Beitrag von Alexander Stockinger, Gründerexperte der WKO Oberösterreich. Er gab praxisnahe Einblicke in zentrale Aspekte rund um die Unternehmensgründung und betonte: „Gründungen sind nichts Außergewöhnliches – viele Ideen bauen auf Bestehendem auf. Entscheidend ist, dass man etwas macht, das zu einem passt. Die wenigsten gründen, um reich zu werden, sondern aus Überzeugung. Und die Chancen stehen gut: Nach drei Jahren sind noch rund drei Viertel der Unternehmen am Markt.“ Gleichzeitig hob er hervor, wie wichtig eine gute Vorbereitung, laufende Weiterbildung sowie die Nutzung von Beratungs- und Förderangeboten sind. Besonders bei Förderungen gelte es, sich rechtzeitig – also vor Projektbeginn – zu informieren. Ebenso sei ein solides Grundverständnis für Zahlen und steuerliche Themen wichtig, auch wenn man sich bei Spezialfragen Unterstützung von Expert:innen holen sollte.

Offener Austausch als zentraler Mehrwert
Neben den Vorträgen bot die Veranstaltung ausreichend Raum für Fragen, persönliche Gespräche und neue Kontakte. Gerade dieser offene Austausch sowie die ehrlichen und authentischen Einblicke der Unternehmer:innen machten das Frühstück zu einem wertvollen Format für alle, die sich mit dem Thema Selbstständigkeit beschäftigen oder bereits erste Schritte gesetzt haben.
 

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