Wie können Jugendliche ihre eigenen Stärken entdecken, bevor es um die konkrete Frage „Welcher Beruf passt zu mir?“ geht?
Gemeinsam mit Vertreter:innen des Steuerungsboard und der Bildungsgruppe des Netzwerks Zukunftsregion Steyr und der WKO Steyr haben wir uns im Talent Space OÖ in Linz angesehen, wie moderne Berufsorientierung heute aussehen kann – interaktiv, spielerisch und mit jeder Menge Technik.
Der Talent Space der Wirtschaftskammer Oberösterreich richtet sich an Schüler:innen der 7. Schulstufe und versteht sich ganz bewusst als früher, spielerischer Einstieg in die Berufsorientierung. An 14 interaktiven Stationen können Jugendliche unterschiedliche Interessen, Fähigkeiten und Kompetenzen ausprobieren und entdecken.
Von Virtual Reality über digitale Anwendungen bis zu Robotik und Bewegung: Jede:r Jugendliche durchläuft alle Stationen und bekommt damit die Möglichkeit, ganz unterschiedliche Seiten an sich kennenzulernen.
Für unsere Gruppe war der Besuch aber vor allem eines: eine gute Gelegenheit, über die Frage nachzudenken, was gute Berufsorientierung eigentlich braucht – und welche Impulse wir daraus für Steyr und die Region mitnehmen können.
Ausprobieren statt nur informieren
Eine Erkenntnis wurde beim Rundgang sehr schnell deutlich: Berufsorientierung funktioniert besonders gut, wenn junge Menschen selbst ins Tun kommen.
Nicht zuerst lange erklären, welche Berufe es gibt, sondern ausprobieren, entdecken und erleben.
Genau diesen Ansatz verfolgt der Talent Space. Er soll noch keine fertige Antwort auf die spätere Berufswahl liefern, sondern zunächst Neugier wecken und einen positiven Zugang zum Thema schaffen. Erst im nächsten Schritt – etwa mit der Potenzialanalyse in der 8. Schulstufe – wird die Berufs- und Ausbildungswahl konkreter.
Das ist auch für uns ein spannender Gedanke: Berufsorientierung darf früher beginnen – ohne dass Jugendliche sofort wissen müssen, welchen Weg sie einmal einschlagen möchten.
Nicht nur fragen: „Was willst du werden?“ – sondern: „Was steckt in dir?“
Am Ende des Talent-Space-Besuchs erhalten die Jugendlichen eine persönliche Auswertung mit ihren Talenten und Stärken. Die Ergebnisse entstehen aus den Aufgaben und selbstreflektierenden Fragen an den einzelnen Stationen.
Jede:r Teilnehmer:in bekommt ein persönliches Zertifikat und einen Talentbogen, der auch später wieder aufgegriffen werden kann.
Gerade dieser Perspektivenwechsel ist wertvoll: Nicht der Beruf steht am Anfang, sondern der junge Mensch.
Was interessiert mich? Was fällt mir leicht? Wo liegen meine Stärken? Und welche Ausbildungs- oder Berufsmöglichkeiten könnten dazu passen?
Der Talent Space ist dabei als erster, spielerischer Baustein gedacht. In der späteren Potenzialanalyse werden Interessen und Fähigkeiten nochmals intensiver betrachtet und konkrete Schul- und Berufsmöglichkeiten aufgezeigt.
Digitalisierung dort einsetzen, wo sie etwas bringt
Spannend war für uns auch der Umgang mit digitalen Technologien.
Im Talent Space sind moderne Technik und digitale Elemente selbstverständlich Teil des Erlebnisses – gleichzeitig wird Digitalisierung nicht um ihrer selbst willen eingesetzt.
So wird beispielsweise eine bisher verwendete Handy-App künftig nicht mehr weitergeführt. Der Gedanke dahinter: Die Jugendlichen verbringen während des Tages ohnehin viel Zeit mit digitalen Anwendungen – zusätzliche Bildschirmzeit schafft nicht automatisch zusätzlichen Mehrwert.
Eine Erkenntnis, die gerade auch gut zu unserem Schwerpunkt „Digitale Region“ passt:
Gute Digitalisierung bedeutet nicht möglichst viel Bildschirm, sondern Technologie dort einzusetzen, wo sie Lernen, Erleben und Verstehen tatsächlich verbessert.
Berufsorientierung soll für alle zugänglich sein
Bemerkenswert ist auch, wie niederschwellig das Angebot gestaltet ist.
Der Talent-Space-Tag ist für die Schulen kostenlos. Auch die Anreisekosten werden übernommen, damit nicht die Entfernung oder die finanziellen Möglichkeiten einer Schule darüber entscheiden, wer das Angebot nutzen kann.
Neben Mittelschulen und Unterstufenklassen können auch Schüler:innen mit Unterstützungsbedarf teilnehmen. In den Sommerferien gab es auch ein Angebot für Privatpersonen. Die Stationen sind großteils entsprechend zugänglich gestaltet und werden bei Bedarf mit zusätzlicher Betreuung absolviert.
Damit wird ein weiterer wichtiger Punkt sichtbar: Gute Berufsorientierung sollte möglichst allen Jugendlichen offenstehen.
Impulse für die Region mitnehmen
Berufsorientierung und die Zusammenarbeit von Schulen, Unternehmen und Institutionen sind zentrale Themen unserer Bildungsgruppe im Netzwerk Zukunftsregion Steyr.
Der Besuch in Linz hat uns deshalb nicht nur spannende Einblicke gegeben, sondern auch viele Anknüpfungspunkte für die weitere Arbeit in der Region.
Denn eines nehmen wir jedenfalls mit:
Junge Menschen brauchen Möglichkeiten, sich selbst auszuprobieren, ihre Stärken kennenzulernen und unterschiedliche Wege zu entdecken – möglichst früh, ohne Druck und mit Freude am Entdecken.
Ein herzliches Dankeschön an die WKO Steyr und unser Steuerungsboardmitglied Cornelia Schwabl, die diesen gemeinsamen Besuch ermöglicht und organisiert haben, sowie an das Team des Talent Space OÖ für die Einblicke und den spannenden Austausch.